Ein Live Shot von Kevin Russell, Sänger der Frankfurter Rockband Böhse Onkelz ziert Plakate und Konzerttickets der kommenden Onkelz Live Shows 2019. Wir sprachen mit Tobias Stark, dem Fotografen des Bildmotives über seine Leidenschaft, die Fotografie.

Bitte stell dich unseren Lesern vor, die dich möglicherweise noch nicht kennen – wer bist du, seit wann fotografierst du und wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Mein Name ist Tobias Stark, ich bin 33 Jahre alt und bin nun seit 1 1/2 in Bad Kreuznach ansässig. Ich bin allerdings gebürtiger, nun im Exil lebender Hesse und denke, das spiegelt sich auch so ein wenig in meinen Arbeiten wieder. Vieles dreht sich irgendwie um die Stadt Frankfurt. Sei es, die in Deutschland einzigartige und ziemlich fotogene Skyline, die Eintracht oder eben auch die aus Frankfurt stammende Rockband Böhse Onkelz.

Angefangen hat alles schon in den jungen Jahren, in denen ich es geliebt habe mir Fotos anzusehen und in den Geschichten die sie erzählen zu versinken. Meine Eltern selbst hatten immer eine Kamera dabei. Sei es zum Fotos machen oder Filmen. Rein dokumentarisch des privaten natürlich und fernab von jeglicher Professionalität. Aber dadurch kam es eben auch dazu, dass auch ich immer wieder die Kamera in der Hand hatte und Bilder geschossen habe. Zumindest habe ich oft auf den Auslöser gedrückt. Die wirkliche Leidenschaft ist aber erst viel viel später dazu gekommen. Es war nie so, dass ich mich wirklich ernsthaft damit auseinandergesetzt habe. Man hat halt hier und da mal vor sich hin geknipst. Ernst wurde es erst kurz nachdem ich mir mit Anfang 20 meine erste DSLR Kamera gekauft habe. Eine Canon EOS 400D zusammen mit dem Kit-Objektiv und dem 50mm f1.8.

Nachdem die Kumpels auf Partys und auf dem Bolzplatz herhalten mussten, sollte ich irgendwann auf einem kleineren Festival Fotos für unser selbstgeführtes Online-Magazin schießen, auf dem eben auch die Band „Der W“ um Onkelz-Bassist Stephan Weidner auftrat. Hier war ich das erste Mal gezwungen mich mit meiner Kamera wirklich auseinander zu setzen. Nicht nur weil zum Einen da ein Musiker vor mir auf der Bühne stand den ich persönlich sehr schätze, sondern auch weil ich wusste dass ich Fotos abliefern musste. Es gab schließlich eine Akkreditierung für ein Konzert und unerfahren wie ich war, setzte mich das schon leicht unter Druck. Am Ende vom Tag hat es mir aber so viel Spaß gemacht, dass ich unbedingt herausfinden wollte, was ich noch so alles mit der Kamera anstellen kann. Seitdem hat mich die Faszination auch nicht mehr losgelassen.

Welche Themen und Motive faszinieren dich und was war das vielleicht ungewöhnlichste Auftrag, den du je angenommen bzw. umgesetzt hast?

Mich fasziniert natürlich die Musik. Thematisch auch das, was den Ball für mich ins Rollen gebracht hat, aber auch eben eine Leidenschaft neben der Fotografie. Ansonsten bin ich fasziniert von allem Urbanen. Sei es das Stadtbild an sich oder dieser typische Skatepark-Flair. Aber auch in Verbindung mit Portraits stehe ich eher auf Graffiti übersäte Betonwände als auf Heuballen im Hintergrund.

Ungewöhnliche Aufträge kann ich eigentlich nicht vorweisen. Für mich in persönlich war es natürlich surreal irgendwann die Band fotografieren zu können die man sonst als „Fan“ verfolgt hat. Aber so wirklich ungewöhnliche Aufträge in dem Sinne hatte ich bisher nicht, nein.

Wie lange hat es für Dich gedauert Deinen persönlichen Bild Stil zu finden?

Das frag mich in einigen Jahren nochmal! Ich denke, an dem Punkt bin ich noch nicht angekommen. Ich experimentiere sehr gerne, und sobald ich etwas Neues für mich entdecke beeinflusst das natürlich direkt die Bilder. Daher glaube ich nicht von einem persönlichen Bild Stil sprechen zu können.

In wie weit haben Dir Fachmagazine, Bücher oder Tutorials von anderen Fotografen dabei geholfen?

Ungemein! Magazine und Bücher weniger, die sind mir in den Techniken und der Theorie meist zu trocken und bewegen mich nicht dazu etwas auszuprobieren. Wenn, dann sind es Videos die ich mir anschaue in denen einzelne Techniken oder Vorgehensweisen am Beispiel erklärt werden. Ich glaube aber das meiste gelernt zu haben, indem ich einfach herumgespielt habe. Einfach mal die Kamera in die Hand nehmen, nach draußen gehen und machen. Wir befinden uns nun mal in der glücklichen Situation, nicht ständig die Filmrolle wechseln zu müssen. Das sollten man auch nutzen und einfach mal 100 schlechte Fotos machen bis man lernt warum sie schlecht sind.

Mit welcher Kamera und zusätzlichem Equipment fotografiert Du hauptsächlich?

Hauptsächlich benutze ich die Canon 5D Mark III. Mein Allrounder ist das Tamron 24-70 2.8. 80% meiner Konzertfotos entstehen mit dieser Kombination. Wenn alles mal etwas weiter weg ist, kommt das etwa ältere Sigma 70-200 zum Einsatz. Viele finden es gerade bei offener Blende zu weich, aber Preis-Leistungstechnisch absolut ok. Dann habe ich noch das Sigma 35 1.4 der Art Serie für People- und Reportage-Shots sowie ein Canon 50mm 1.8 STM.

Zum Reisen packe ich meist nur meine Fuji X100T auf Grund Ihrer kompakten Ausmaße ein. Die Bilder die aus diesem kleinen Monster kommen sind einfach fantastisch.

In Bezug auf die Konzertfotografie – Wie bereitest Du Dich auf eine Show oder die jeweiligen Künstler vor?

Grundsätzlich schaue ich erst mal, ob es Informationen zu den ersten Songs gibt und ob es bei der Performance oder Bühnenshow Besonderheiten gibt, die für ein Foto interessant sind. Wie ist die Bühne aufgebaut und was könnten Positionen sein, die mehr oder weniger Vorteilhaft sind. Ansonsten informiere ich mich generell über das Verhalten der Musiker auf der Bühne. Welche Personen stehen wann im Fokus bzw. wer sticht an welchem Zeitpunkt heraus.

Das macht eigentlich für mich die meiste Vorbereitung aus. Der Rest geschieht so spontan und chaotisch wie nötig. 😉

Welche Tipps zur Musikfotografie kannst Du anhand Deiner Erfahrung geben, um den perfekten Moment einzufangen?

Ich weiß gar nicht ob es DEN perfekten Moment gibt. Klar es gibt Momente in denen Musiker besonders performen oder sich in Pose werfen, aber wichtiger ist meiner Meinung nach den Blick nicht zu sehr auf einen Punkt zu konzentrieren. Während der Sänger sich an den Bühnenrand wagt und mit dem Publikum agiert, bewegen sich Gitarrist und Bassist aufeinander zu und spielen Rücken an Rücken. Eine solche „Neben“-situation kann die Bandstimmung des Abends vielleicht auch mal etwas besser wiedergeben, als das offensichtliche Motiv nach dem alle jagen.

Klar gibt es Momente die man einfangen sollte, da sie Teil der Show sind. Genauso gibt es Momente die man aber auch ganz sicher mal nicht ordentlich mitnehmen kann. Wenn aber 20 Fotografen alle den selben Moment einfangen und sich nur die Blickrichtung ändert ist es eines von vielen Bildern. Natürlich kann in solchen Momenten auf Grund von Komposition und Entwicklung Eines mehr herausstechen als Andere und somit zu einem besonderen Moment für den Betrachter werden.

Man sollte immer das ganze Geschehen im Blick behalten, andere Perspektiven einnehmen und Dinge beobachten, die andere fotografen nicht im Blick haben.

Welche Einstellung deiner Kamera nutzt du am häufigsten für Konzertfotos?

Die Einstellungen sind wirklich unterschiedlich. Je nach Location und den Lichtverhältnissen ändert sich das. Das kann auch schon zwischen zwei Songs oder sogar innerhalb eines Songs stark variieren. Daher auch grundsätzlich RAW und im manuellen Modus und hier und da auch mal im AV Modus fotografieren. Offenblendig, Belichtungszeit so lang wie nötig aber so kurz wie möglich und die ISO dementsprechend anpassen. Das ist zwar eine sehr allgemeine Aussage, aber das trifft es eigentlich schon.

Es wird nie DIE Einstellung geben, die pauschal funktioniert.

Wie sieht die kreative Arbeit nach dem Konzert aus?

Nach den Konzerten geht es mit der Durchsicht der Fotos los. Je nachdem wie schnell die Fotos raus müssen beginne ich damit schon am gleichen Abend. Alle Bilder sichten und eine Vorauswahl treffen und diese dann entwickeln. Je nach Umfang kann sich das natürlich in die Länge ziehen. Von der Auswahl bis zu dem fertigen Set ist im Schnitt schon ein Tag voll eingeplant. Ich habe schon komplette Sets in 3 Stunden abgeschlossen aber durchaus auch mal mehrere Tage gebraucht. Vor der Bildbearbeitung und Veröffentlichung sollten folgende wesentliche Fragen geklärt sein:

  • Welche Zeitvorgabe habe ich?
  • Müssen die Konzertfotos am nächsten Tag online sein?
  • Müssen die Bilder noch durch Band und Management gesichtet und freigegeben werden?
  • Wurde eine Exklusivitätsklausel für ein Medium vereinbart?

Falls ich früh abgeben muss, dann treffe ich eventuell eine kleinere Auswahl. Habe ich mehr Zeit zur Verfügung, nutze ich diese natürlich auch. Ich wähle mehr Fotos aus und bereite sie auch anders auf.

Zum Katalogisieren und Entwickeln nutze ich ganz klassisch Adobe Lightroom. Hier und da gehen die Bilder nochmal durch Photoshop aber eigentlich spielt sich wirklich fast alles in Lightroom ab.

Erinnerst Du Dich an das erste Konzert erinnern, das Du fotografiert hast?

Sehr gut sogar. Das war das eben schon kurz angesprochene Pfeffelbach-Open-Air im Jahr 2012. Ich wurde ja mehr oder weniger komplett ins kalte Wasser geschmissen. Keine Ahnung von nichts und direkt bei schlechten Lichtverhältnissen Fotos machen. Da die Bilder für das eigene Online-Magazin waren hielt sich der Druck von außen in Grenzen, aber der selbstgemachte Druck war auf jeden Fall zu spüren. Schließlich haben wir uns offiziell akkreditieren lassen, was einem blutigen Anfänger wie mir damals doch schon den Schweiß auf die Stirn treibt. Ich war natürlich nervös und angespannt ohne Ende, nicht zuletzt, weil ich mir meiner mangelnden Erfahrung durchaus bewusst war. Ich wusste gar nicht was ich da mache. Ich glaube ich habe mehr draufgehalten als mir wirklich Gedanken um das Bild gemacht. Am Ende war wohl einfach das Glück auf meiner Seite und unter dem ganzen Ausschuss waren Bilder dabei die man wirklich nutzen konnte.

Hätte ich damals daran gedacht, die Bilder auch noch im RAW-Format zu schießen könnte man sicher einiges davon sogar noch etwas interessanter gestalten. Zum damaligen Zeitpunkt wusste ich aber auch noch nichts von Lightroom oder sonstigen RAW-Konvertern. Wahrscheinlich wäre sogar alles daran gescheitert, dass ich nicht gewusst hätte wie man eine RAW-Datei überhaupt öffnet. 😉

Wie gesagt, das hat mich dann doch alles so angefixt, dass ich unbedingt mehr über die Fotografie lernen wollte und so ist die Konzertfotografie auch heute noch ein großer Bestandteil meiner Leidenschaft.

Wie unterschiedlich sind Bandfotos im Vergleich zu On-Stage-Fotos und wie gehst Du hierbei vor?

Bandshootings in der klassischen Form habe ich bisher kaum gemacht. Da konzentriert es sich bei mir eher auf das Dokumentieren was neben der Show passiert. On-Stage sind die Künstler eben bei Ihrer Kernarbeit. Während Sie spielen und singen wissen sie eben auch das dort Fotografen herumlaufen und agieren zu teilen auch bewusst mit Ihnen.

Neben den Shows verhält es sich wie bei jeder anderen Reportage auch – kein Mensch möchte mit einer Linse in seinem Gesicht bedrängt werden.

Und auch wenn das eine Teil des Fotografen-Jobs oder der Beauftragung ist, gehört das zu den Punkten die man stets beherzigen muss. Im Grunde musst du da sein, aber niemand darf dich wahrnehmen. Nur dann entstehen schöne Aufnahmen die einen Moment so authentisch wie möglich wiedergeben können. Das setzt natürlich ein gewisses Vertrauen beider Seiten voraus.

Was macht für Dich ein gutes Photoshooting aus?

Ein gutes Shooting bedeutet für mich, wenn beide Seiten am Schluss mit dem Ergebnis zufrieden sind und sich keiner unwohl gefühlt hat. Die Chemie muss stimmen und dann ergibt sich der Rest meistens schon von alleine. Sind Motiv oder auch Fotograf aus irgendeinem Grund angespannt merkt man das den Bildern auch an.

Locker sein, offen kommunizieren was man möchte und was man auf keinen Fall möchte. und nie zu verbissen sein.

Situationen oder auch Kombinationen die einfach nicht zusammen passen wird es immer geben. Da muss man dann auch Abstand nehmen können und sagen, komm wir probieren das anders, vertagen das ganze oder canceln es gänzlich. Niemand hat etwas davon, wenn gezwungenermaßen Bilder entstehen die aber keinem gefallen.

Wie nimmst Du natürlichen Personen vor der Linse die Scheu vor der Kamera?

Das ist eine gute Frage auf die ich nicht wirklich beantworten kann. Ich für meinen Teil versuche, bei den wenigen klassischen Shootings die ich mache, so locker und entspannt wie möglich zu sein. Ich denke das überträgt sich dann auch immer auf den Gegenüber.

Ein lockerer Spruch und eine gelassene Interaktion zwischen den Auslösungen können da schon ungemein helfen denke ich. Bloß nicht zu verbissen hinter der Kamera verstecken und ein Bild erzwingen.

Welche Fotos gehören zu deinen aktuellen Lieblingsmotiven?

Impression vom Matapaloz Festival - Böhse Onkelz Live on Stage
Impression vom Matapaloz Festival – Böhse Onkelz Live on Stage 
Kevin Russell Böhse Onkelz Tour 2019 Foto: Tobias Stark
Kevin Russell Böhse Onkelz Foto: Tobias Stark


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Moses Pelham beim Soundcheck auf dem Böhse Onkelz Konzert im Frankfurter Waldstadion
Rap-Legende Moses Pelham beim Soundcheck auf dem Böhse Onkelz Konzert im Frankfurter Waldstadion

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