Adrian Sailer beim Foto Shooting mit der Rockband Unantastbar
Adrian Sailer beim Foto Shooting mit der Rockband Unantastbar

Hey, stell dich bitte unseren Lesern vor – wer bist Du, seit wann fotografierst du und wie bist Du zur Fotografie gekommen? 

Mein Name ist Adrian Sailer und ich komme aus dem „Badener-Ländchen“ inmitten des Schwarzwaldes. Um genau zu sein aus der Umgebung Freiburg im Breisgau.

Zur Fotografie kam ich tatsächlich indirekt, da ich für das Tribe-Online Magazin tätig bin und so auch ab und an auf einem Konzert war. Beim ersten Konzert bin ich noch mit einer Digital-Kamera aus dem Elektro-Fachhandel gestanden und wusste ehrlich gesagt nicht was ich da wirklich tue. Die Blicke von den Kollegen waren natürlich auch nicht gerade sehr freundlich. Verständlich- heute mag ich das auch nicht, wenn manche „Fotografen“ mit ihrem Smartphone im Bühnengraben rumspringen 😀

Schnell war mir also klar, dass ich da was machen musste und so habe ich mir von einer guten Freundin erstmal eine Spiegelreflex (Nikon D80 + Kit Objektiv) geliehen und mein „Glück“ versucht. Nach ein paar Anläufen wurde das dann auch endlich was. Die ersten Gehversuche waren gegen Ende 2013. Fotografie konnte man das aber erst im Laufe 2014 nennen.

Fotograf Adrian Sailer - Foto Credits: Carlotta Huber
Fotograf Adrian Sailer – Foto Credits: Carlotta Huber

Welche Themen und Motive faszinieren dich neben der Konzertfotografie und was war der -vielleicht- ungewöhnlichste Fotojob, den du je angenommen bzw. umgesetzt hast?

Wie man sich vermutlich denken kann liegt die People-Fotografie recht nahe an der Konzertfotografie. Zumindest wenn es um die Motive geht. Daher beschäftige ich mich auch sehr gerne mit der People-Fotografie. Dies aber meistens nur „Just for Fun“ auf TFP-Basis.

Auch der Schwarzwald bietet doch einige Motive. Daher pack ich auch oft den Fotorucksack und Stativ ein und fotografiere Motive aus der Heimat. Besonders liebe ich Wasserfälle. Ist natürlich ein starker Kontrast zu Konzerten, aber wie sagt man so schön – „Gegensätze ziehen sich an“. Man muss ja nicht ans Ende der Welt reisen, wenn die Heimat auch genug Fotomotive bietet

Hmmm, ungewöhnliche Fotojobs. Das ist immer so eine Auslegungssache. Während meines Studiums habe ich ab und an Produkte für Online-Shops fotografiert. Da waren teilweise schon „freaky“ Sachen dabei. Man wundert sich doch immer wieder was es alles auf Amazon zu kaufen gibt und das es für alles eine Zielgruppe gibt. Detaillierter möchte ich das jetzt lieber nicht ausführen…

Mit welcher Kamera und zusätzlichem Equipment fotografiert Du hauptsächlich?

Die Frage wird natürlich immer gerne gestellt. Die Antwort zeiht ja gerne immer eine „Glaubensfrage“ mit sich. Hauptsächlich fotografiere ich mit Nikon Kameras, habe aber in den letzten Jahren auch mit allen anderen Marken mal fotografiert. Die beste Kamera ist immer die, die man gerade zur Verfügung hat.

Nikon ist sicherlich nicht perfekt, dass ist eh keine Marke. Ich persönlich mag aber gerade hier die Bedienung und die Haptik der Kamera.

Aktuell habe ich drei Vollformat Kameras die bei einem Konzert immer an meinem Holdfast-MoneyMaker -Schultergürtel hängen. Meistens habe ich bei Konzerten meine Nikon D750 und D800 dabei. Ab und an pack ich dann noch die Sony a7s ein. Viel wichtiger sind aber die Objektive (und natürlich auch der Fotograf). Die teuerste Kamera bringt nichts, wenn die Optik und auch das Licht miserabel ist.

Zum Thema: Licht habe ich dennoch eine Empfehlung, sofern man sich für Studio-Fotografie begeistert.

Licht definiert Schärfe. Daher ist das tatsächlich noch ein viel wichtigerer Faktor als das Objektiv. Kauft keine China-Blitze, wenn ihr hochwertig arbeiten wollt. Hier sollte man auf ein paar Euro mehr in die Hand nehmen: „Wer billig kauft, kauft zwei Mal“. Das gleiche gilt auch für Stative.

In wie weit haben Dir Fachmagazine, Bücher oder (Video-)Tutorials von anderen Fotografen dabei geholfen?

Um ehrlich zu sein gar nicht. Klar schaut man gerade in den Anfängen sich mal ein bisschen auf Youtube um. Schnell landet man da ja auch bei sogenannten „Experten der Fotografie“ und fragt sich am Ende, warum habe ich mir diesen ekligen Mannheimer Dialekt jetzt 15 Minuten lang angesehen und bis genauso schlau wie davor?!

Worauf ich hinaus möchte. Vielleicht sehe ich das auch anders als die meisten anderen Foto-Kollegen: Im Netz kursiert ein Haufen Müll. Diesen zu filtern wird immer schwieriger, da auch einige „Fachmagazine“ diese falschen Informationen aufnehmen und auch so niederschreiben. Resultiert vermutlich auch daraus, dass Youtuber als Autoren schreiben. Nicht nur in Magazinen, mittlerweile auch in anerkannten Fachbüchern. Ich halte das für äußert bedenklich. Gerade weil die Youtuber eine extreme Marktmacht haben. Im Endeffekt ist die deutsche Youtuber-Fotografenlandschaft so voll gestopft mit selbsternannten Marketingexperten und Life-Coaches, das es mich wahrlich anekelt sowas anzusehen.

Mein Wissen habe ich mir größtenteils durch ausprobieren beigebrachte. Auch während meines Studiums als Medieninformatiker habe ich mich stark mit dem Thema Kameratechnik befasst. Wenn man sich da erst einmal ein fundiertes Wissen angeeignet hat, kann man den Mist, der in Youtube erzählt wird wahrlich nicht mehr ernst nehmen.

Workshops sehe ich auch als sehr kritisch an. Für viele Fotografen ist das ein gefundenes fressen um leicht an Geld zu kommen (es gibt immer Ausnahmen). Ich beobachte immer wieder Kollegen auf den sozialen Netzwerken, die in ihren Stories immer damit preisen das SIE sich jetzt wieder Fortbildung von Person XY geben und hunderte von Euros in einen Workshop investieren um in ihrer „Karriere“ voran zu kommen. Wenn ich dann die Resultate sehe muss ich doch oft schmunzeln. Meisterwerke kommen da selten bis gar nicht raus und das Lichtsetup ist auch in den meisten Fällen 0815. Aber da wären wir wieder bei dem sogenannten Schneeballsystem. Es hat immer funktioniert und es wird auch weiterhin funktionieren, solange es Leute gibt die kostenlose Werbung für einen Workshop-Leiter/Live-Couch machen.

Daher selber machen, mal auf die Schnauze fallen und vor allem sich selbst reflektieren!

In Bezug auf die Konzertfotografie – Welche Bands und Genre fotografierst Du am liebsten und wie bereitest Du Dich auf eine Show oder die jeweiligen Künstler vor?

Ein Lieblings-Genre habe ich persönlich nicht. Wenn ich mich entscheiden müsste, dann würde die Wahl auf Metalcore /Hardcore fallen. Da geht es doch am meisten auf der Bühne ab. Prinzipiell alles was mit Gitarrenmusik zu tun hat. Ab und an kann es aber auch gerne mal Hip-Hop oder Pop sein. Gerade Udo Lindenberg hat mich extrem überrascht. Da war ordentlich Action auf der Bühne. Da können sich einige jüngere Bands und Musiker echt eine Scheibe von abscheiden.

Auf ein Konzert bereite ich mich am liebsten mit einem kühlen Bier vor. Jedes Konzert ist einzigartig und so auch die Momente, die daraus resultieren. Finde daher ist es eher schwierig sich wirklich auf eine Show vorzubereiten. Überraschen lassen und das Beste in der gegebenen Zeit machen. So hat man am wenigsten Druck und man ist am Ende doch mit sich selbst mehr zufrieden wie wenn man sich davor zu viel vorgenommen hätte.

Welche Tipps zur Musikfotografie kannst Du anhand Deiner Erfahrung geben, um den perfekten Moment einzufangen? 

Wie bereits erwähnt ist jedes Konzert einzigartig. Ich denke nach ein paar Konzerte bekommt man ein gewissen Gespür für die Umgebung und die Magie des Momentes. Man kann sich ja leider immer noch nicht teilen. Wichtig ist daher, trotz des Blickes durch den Sucher immer noch mit dem anderen Auge das drum rum zu beobachten und dann rechtzeitig den Moment einfangen zu können. Was natürlich auch immer hilft ist Bewegung! Wer die ganze Zeit auf einer Stelle bleibt kann keine vernünftigen Fotos machen.

Welche Einstellung deiner Kamera nutzt du am häufigsten auf Konzerten? 

Automatik was sonst.

War natürlich ein Scherz. Aber das gebe ich nicht raus. Meine Empfehlung wäre allerdings bei Möglichkeit zwei Kameras mit unterschiedlichen Linsen zu verwenden, um für den „perfekten Moment“ nicht die Linse wechseln zu müssen.

Wie sieht die kreative Arbeit nach dem Konzert aus? Wieviel Zeit und Energie steckst Du in die Nachbearbeitung und wie hoch ist die Erfolgsquote Deiner Bilder?

Das kommt natürlich immer darauf an ob es ein Konzert oder Festival ist. Dazu kommt natürlich auch die jeweilige Anzahl der Bands. Das sind alles entscheidende Faktoren. Ab und an habe ich ja auch das Glück ein gesamtes Konzert fotografieren zu dürfen. Da kommt dann eine Menge Holz zusammen. Dennoch versuche ich bei einem Konzert „Dauerfeuer“ zu vermeiden. Das erspart dann doch eine Menge Arbeit in der Nachbereitung am Computer.

Die Erfolgsquote ist mittlerweile doch sehr hoch, zumindest was Fotos angeht die nicht komplett unscharf sind. Ich versuche mich bei der Auswahl immer in die einzelnen Künstler hineinzuversetzen. Bedeutet, würde mir das Foto auch gefallen, wenn ich jetzt die Person wäre. Man kann mit Fotos auch sehr schnell Personen verunstalten, da sie gerade in dem Moment als ich das Foto gemacht habe doof schauen. Solche Fotos will ich vermeiden, selbst wenn das Licht drum herum „perfekt“ ist. Denke das hat auch etwas mit einem gewissen Respekt zu tun.

Die Nachbearbeitung selbst geht doch recht fix mittlerweile. Ich habe mir mit Lightroom einige Workarounds überlegt, wie ich schnell und effizient an ein Ziel komme. Konzerte werden bei mir nur in LightRoom bearbeitet. Habe auf vielen Festivals schon gesehen, dass einige mit Photoshop arbeiten. Das kann ich nicht verstehen. Zum einen ist es ineffizient und zum anderen ist PS schlicht dafür nicht ausgelegt und man will ja hier auch keine Beauty-Retusche machen, oder etwa doch? Dann sollte man sich aber überlegen ob man nicht lieber Fashion-Fotograf werden will.

Alles in allem habe ich schon Konzertabende mit zwei bis drei Bands in unter einer Stunde durchbekommen. Wenn noch ein Bericht ansteht muss man dieses ja auch noch schreiben und ich finde, dass ein Artikel binnen 48 Stunden nach dem Konzert spätestens online sein sollte. Sonst verpufft auch die Wirkung, gerade wenn eine Band auf Tour ist.

Häufig stehen die Musiker auch fernab der Bühne für ein Foto-Shootings vor Deiner Linse. Wie unterschiedlich sind Bandfotos im Vergleich zu On-Stage-Fotos und wie gehst Du hierbei vor?

Das kann man gar nicht miteinander vergleichen. Wenn die Musiker auf der Bühne stehen kann ich ja schlecht Hochrufen das die aktuelle Pose gerade eher unvorteilhaft ist. Da muss man einfach mit der jeweiligen Situation leben und wie eben angesprochen bei der Nachbereitung mit dem gewissen Respekt gegenüber den Künstlern die Fotos auswählen.

Bandfotos abseits der Bühne kommen eher selten vor. Ich halte auch persönlich nichts von langweiligen Gruppenfotos. Ich mach sowas dann doch gerne lieber mit Absprache und dann ggf. auch mit einen Blitzgenerator. Da kommen dann doch ganz andere Ergebnisse bei rum.
Die meisten Bands, die ich fernab der Bühne fotografiert habe, sind doch eher regionale Bands. Die sind natürlich auch immer wahnsinnig dankbar, wenn die mal Fotos bekommen, die nicht aus einem iPhone kommen.

Neben den Profis vor der Kamera, gibt es sicherlich auch Personen, die bei Shootings nicht aus sich heraus kommen. Wie nimmst Du Deinen Teilnehmern die Scheu vor der Kamera? 

Hier kann ich wieder am besten von der People-Fotografie sprechen. Ach, das war bisher eigentlich immer ganz easy. Wichtig ist eine lockere Atmosphäre. Ein paar Witze machen und ggf. einen Tee oder Schoki anbieten. Das hilft meistens. Ganz wichtig ist auch das man den Personen die Fotos immer mal wieder zeigt und sie lobt. Spätestens dann ist das Eis auch gebrochen.

Was macht für Dich ein gelungenes Photoshooting aus? 

Ein gelungenes Shooting muss in erster Linie Spaß machen. Ist dieses Kriterium nicht erfüllt, kann nichts Gescheites entstehen. Wir sprechen hier ja von Emotionen, die auf einem Bild eingefangen werden. Wie auch beim „Scheu nehmen“ hilft hier eine lockere Stimmung mit einer Schoki 🙂

Wenn Fotograf und das Model/Band gemeinsam zufrieden sind und man ein lächeln erkennt, dann war das Shooting erfolgreich.

Würdest Du uns Deine persönliche Top-Auswahl an Musiker-Fotos (Konzert, Festival, Promo alles erlaubt) vorstellen? 

Mein absolutes Highlight Foto ist ganz klar die Pyramide von Kissin‘ Dynamite. Das Foto ist im legendärem z7 Pratteln (CH) entstanden.

Kissin Dynamite - GENERATION GOODBYE - Dynamite Nights
Album Cover: Kissin’ Dynamite – GENERATION GOODBYE – Dynamite Nights / Foto: Adrian Sailer Art – Artwork: Stan W. Decker

Das Konzert war nicht sonderlich gut besucht. Dennoch eine super Stimmung und ich durfte das ganze Konzert für die Jungs fotografieren. Resultat war, das einige Bilder von mir im Booklet der Live CD gelandet sind und sogar das Cover schmückt. Was will man mehr?

Dann muss ich an dieser Stelle auch ein dickes Merci an Kollege Tilo Klein ausrichten, der es mir ermöglicht hat ein kleines Shooting im LKA Longhorn mit den Jungs von Unantastbar zu machen. Die Kombination aus Bühnenlicht und Studioblitz hat eine ganz besondere Dynamik wie ich finde.

Adrian Sailer beim Foto Shooting mit der Rockband Unantastbar
Adrian Sailer beim Foto Shooting mit der Rockband Unantastbar
Sänger Joggl der Rockband Unantastbar
Sänger Joggl der Rockband Unantastbar

Ganz dünnes Eis, aber es muss erwähnt werden war das Frei.Wild Konzert in Frei.Burg. Hier gab es ja auch extrem viel Diskussionen über das Konzert und wie man die nur in Freiburg spielen lassen kann. Das konnten ich mir natürlich nicht entgehen lassen und wir haben einen doch sehr kritischen Konzertbericht geschrieben, die die Gegner des Konzerts angesprochen hat.

Frei.Wild - Sick Arena Freiburg 2018 - Foto: Adrian Sailer
Frei.Wild – Sick Arena Freiburg 2018 – Rivalen und Rebellen Tour – Fotos

Die Raffinesse ist aufgegangen. Frei.Wild haben den Text gefeiert und geteilt. Einige Gegner haben das gleiche getan. Vielen Dank an dieser Stelle für die Werbung.

Rock-Musik darf polarisieren, daher bin ich doch immer ganz gerne bei den Jungs dabei, egal was Kritiker sagen. So funktioniert Punk nun Mal 😉

Ein fettes Danke muss ich hier auch an den Metal Hammer richten für die ich in Freiburg Iron Maiden und Judas Piest fotografieren durfte. Maiden war schon eine Hausnummer. Alleine dieses Flugzeug auf der Bühne war einfach wow. Leider kann ich durch den Vertrag kein Foto zeigen.

Bei Judas Priest war es richtig cool, als die/das Band(-Management) Fotos vom Konzert angefragt hatten. Es gab dann tatsächlich eine kleine Auswahl meiner Fotos auf den Sozialen Kanälen von Judas Priest. Das war schon Bombe. Der „Metal God“ und der unbekannte Fotograf aus Freiburg.

Judas Priest - Messe Freiburg 2018 - Foto: Adrian Sailer
Judas Priest – Messe Freiburg 2018 – Foto: Adrian Sailer

Als letztes Highlight (ok es gibt natürlich deutlich mehr) war das Rise Against Konzert in Vancouver. Das war doch einfach mal was komplett anderes in Canada in einem Bühnengraben zu stehen und dort Fotos machen zu dürfen. Gut, für andere ist das vermutlich ihr tägliches Brot die auf Tourneen mitgehen. Aber das war für mich der aus einem Dorf im Schwarzwald kommt, doch ein Glücksgefühl. Witziger weise wurden die Fotos von AFI und Anti Flag dann im Nachhinein die besseren. Da ging es doch ein Stück mehr ab.

Rise Against - AFI - Anti Flag - Vancouver
Rise Against – AFI – Anti Flag – Vancouver

Mehr über Adrian Sailer und seine Konzertfotos findet ihr im Internet unter folgenden Adressen:

http://www.sailerwatchblog.de

http://instagram.com/adriansailerart/

http://facebook.com/adriansailerart/

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