Die Fotografin Ina Bohnsack ist in der Fotoszene bekannt für Backstage und Portraitfotos. Musiker, wie Gil Ofarim, Ross Learmoth oder Daniel Wirtz lassen sich gerne von ihr ablichten. Selbst bei US-Schauspieler David Hasselhoff genießt die Fotografin großes Vertrauen.

Hey Ina, stell dich bitte unseren Lesern vor – wer bist Du, seit wann fotografierst du und wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Hallo, ich bin Ina und die meisten kennen mich wohl als IBO-Fotografie, ich fotografiere eigentlich schon immer irgendwie, selbstständig bin ich aber jetzt im 13. Jahr, wenn ich mich nicht verrechnet habe. Zur Fotografie bin ich mit ca. 9 Jahren gekommen, als ich mit meinem Vater und Bruder auf einem Konzert war und eigentlich nur die Konzertfotografen beobachtet habe. Danach habe ich zu meinem Vater gesagt das ich später mal Fotografin werde.

Welche Themen und Motive faszinieren dich?

Mich interessiert der Mensch, immer und überall, am liebsten in besonderen Situationen. Ich liebe den Moment, wenige Sekunden bevor ein Konzert beginnt. Die Aufregung in den Gesichtern aller Beteiligten einzufangen ist für mich das Größte. Ich mag die Momente, in denen sich die Band hinter der Bühne für ihren Auftritt vorbereitet, sowie auch das Leben und Zusammenwachsen im Tourbus. Ich mag es, Musiker in ihrem Alltag zu begleiten und alles in Bildern einzufangen. Wenn ich merke, dass das Vertrauen zwischen Band und Fotografen wächst, bin ich happy.

Was war für Dich der -vielleicht- ungewöhnlichste Foto Job, den du je umgesetzt hast?

Wirklich ungewöhnlich war eigentlich nichts, aber vielleicht bin ich auch nicht gewöhnlich genug, um etwas als „ungewöhnlich“ zu bezeichnen. Ich habe John Diva and the Rockets of Love nach Spanien zu ihrer Albumproduktion und Videodreh begleitet, das war schon witzig, mit den bunten Vögeln. Checkt das Video zum Song “Lolita” und ihr wisst, was ich meine.

 

Mit welcher Kamera und Equipment fotografiert Du hauptsächlich?

Ich habe eine Canon 5D Mark II mit der ich hauptsächlich fotografiere, außerdem arbeite ich noch einer Canon EOS 7D, einige Polaroid und andere analoge alte Kameras. Meistens fotografiere ich mit einer 50mm Festbrennweite.

Wie lange hat es für Dich gedauert Deinen persönlichen Foto-Stil zu finden?

Kann ich nicht sagen, vielleicht verändert der sich ja auch nochmal. Wer weiß schon, wann man am Ende angekommen ist. Ein Ende würde ja auch Stillstand bedeuten. Freunde von mir sagen, dass sie meine Bilder aus vielen anderen Bildern erkennen würden. Neulich sagte jemand, dass ich in der Zusammenarbeit mit dem Musiker und Schauspieler Gil Ofarim eine ganz eigene Bildsprache entwickelt hätte.

In wie weit haben Dir Fachmagazine oder Tutorials von anderen Fotografen dabei geholfen?

Eigentlich gar nicht. Ich lese auch keine Anleitungen. Ich drücke Knöpfe bis das Ergebnis so aussieht, wie ich es haben will. Ich lasse mich gerne inspirieren von Leuten wie Anton Corbijn. Was ich mir schon mal angucke und was mich wirklich interessiert, wie andere Fotografen in Sachen Selbstmarketing aufgestellt sind. Hier hole ich mir gerne mal Rat in Interviews.

In Bezug auf die Konzertfotografie, wie bereitest Du Dich auf eine Show oder die jeweiligen Künstler vor?

Wenn ich die Band schon einige Male vor der Linse hatte, dann ist gar keine Vorbereitung nötig. Dann bin ich einfach nur extrem pünktlich da und gucke, dass ich vor dem Konzert noch möglichst viel Zeit mit Band und Crew verbringe, um das Tour-Feeling aufzusaugen. Wenn die Band für mich neu ist, dann schaue ich mir Livevideos auf Youtube an und achte darauf, wie sich die Jungs und Mädels auf der Bühne bewegen, welche Message sie rüber bringen und welche Songs nach vorne gehen.

Daniel WIrtz Backstage Foto Ina Bohnsack
Daniel Wirtz Backstage Fotografie – Foto Ina Bohnsack

Welche Tipps zur Musikfotografie kannst Du anhand Deiner Erfahrung geben, um den perfekten Moment einzufangen?

Klingt jetzt vielleicht etwas drüber, aber eigentlich geht es nur um das Gefühl. Man muss in der Lage sein, sich darauf einzulassen. Man muss erkennen, was zwischen Band und Fans passiert. Man muss irgendwie mitgehen. Ich persönlich singe eigentlich die ganze Zeit mit, springe, tanze und drücke auch nur dann auf den Auslöser wenn ich etwas sehe. Manchmal sehe ich minutenlang durch den Sucher ohne abzudrücken.

Welche Einstellung deiner Kamera nutzt du am häufigsten auf Konzerten?

Ich schaue fast nie aufs Display. Ich mache ein Bild, sehe es mir kurz an und dann drehen meine Finger ein bisschen hier am Rädchen und drücken dort einen Knopf und irgendwann sieht es dann genauso aus wie ich es haben will. Rau und unfertig und für mich schön.

Wie sieht die kreative Arbeit nach dem Konzert aus? Wie viel Zeit und Energie steckst Du in die Nachbearbeitung und wie hoch ist die Erfolgsquote Deiner Bilder?

Nach einem Konzert setze ich mich hin, mach mir die Musik der Band an, lass den Abend nochmal durch meinen Kopf laufen und dann fasse ich jedes Bild einzeln an. Stapelverarbeitung gibt’s bei mir nicht. Ich mache nie wirklich viele Bilder, wie gesagt… ich mache nur eins, wenn ich auch etwas sehe. Die Bilder die ich mache, gefallen mir dann aber auch zu 85% in hoher Auflösung am Rechner.

Häufig stehen die Musiker auch fernab der Bühne für ein Foto-Shootings vor Deiner Linse. Wie unterschiedlich sind Bandfotos im Vergleich zu On-Stage-Fotos und wie gehst Du hierbei vor?

Mein Schwerpunkt liegt in der Backstage und Künstler Portrait-Fotografie. Ich fotografiere ungern nur drei Lieder aus dem Graben, ohne eine Backstage Reportage. Ich würde aber durchaus eine Backstage Reportage fotografieren, ohne hinterher Fotos beim Konzert zu machen.

Grundsätzlich ist es aber so, dass du bei Live-Bildern zwar die Stimmung einfangen solltest, es aber nicht so schlimm ist, wenn du zu der Band keine Beziehung aufbaust.

Wenn du die Leute für ein Shooting oder Backstage vor der Linse hast, dann geht es um Vertrauen, Empathie, Respekt, Offenheit und sehr oft auch um Freundschaft.

Ich glaube bei mir sind es Bilder von Ross Learmoth, dem Sänger von Prime Circle und vor allem aber Bilder von Gil Ofarim, die zeigen wie ich das meine.

Wie nimmst Du Deinen Teilnehmern die Scheu vor der Kamera?

In dem ich kein normales Shooting im eigentlichen Sinne mache. Meistens treffen wir uns, gehen einen Kaffee trinken und spazieren. Dabei quatsch ich einfach drauf los, mein Gegenüber steigt dann immer irgendwann mit ein. Das hat immer eher was von einem Tag unter Freunden und ganz nebenbei mache ich dann die Bilder. Die meisten fragen mich hinterher ob wir dann mal mit dem Shooting anfangen wollen.

Was macht für Dich ein gelungenes Photoshooting aus?

Wenn alle Beteiligten eine gute Zeit hatten und sich hinterher jeder über die Fotos freut.

Würdest Du uns Deine persönliche Top 5 Fotos vorstellen?

Nummer 1 ist ein Konzertbild der Band Milliarden, bei einem Konzert in Köln. Ich mag’s einfach und habe es schon oft für Poster und Karten benutzt.

Milliarden Band Foto ina Bohnsack
Milliarden Band Foto ina Bohnsack

Nummer 2 ist Tim Husung von John Diva während einem Videodreh und den Aufnahmen zum neuen Album. Ich bin in einem Kofferraum im Wagen davor mitgefahren.

Tim Husung von John Diva Foto ina bohnsack
Tim Husung von John Diva Foto ina bohnsack

Nummer 3 ist Gil Ofarim vor gut 3 Wochen, den ganzen Tag hat es geregnet und wir hatten ca. 3 Minuten um ein paar Bilder zu machen.

Gil Ofarim Rockmusiker Foto Ina Bohnsack
Gil Ofarim Rockmusiker Foto Ina Bohnsack

Nummer 4 Ross Learmonth von Prime Circle in Berlin im Lido diesen Februar, ca. 5 Minuten vor der Show. Er hat es jetzt aktuell als Profilbild und das erfreut mein altes Fotografenherz doch schon sehr.

Ross Learmonth Foto Ina Bohnsack
Ross Learmonth Foto Ina Bohnsack

Nummer 5 ist David Hasselhoff mit seiner Frau, in einer kurzen Shooting Pause letztes Jahr in Bremen. Ich mag es, weil es so ehrlich und total ungestellt ist.

David Hasselhoff Frau Foto Ina Bohnsack
David Hasselhoff Frau Foto Ina Bohnsack

Mehr entdecken von Ina Bohnsack auf folgenden Orten:

Webseiten bohnsack-fotografie.de

facebook facebook.com/InaBFotografie

Instagram instagram.com/ibofotografie

Interview von Marcus Liprecht am 4. April 2019

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here